Rat für jeden Gartentag

Franz Böhmig
Rat für jeden Gartentag
Mit geballtem Wissen quer durchs Beet
448 Seiten, Eugen Ulmer KG, einunddreißigste (!) Auflage Stuttgart 2023, ISBN 978-3-81861-758-5

Zeitloser DDR-Klassiker im hübschen Nostalgie-Layout

Auf welche Weise der seit 1965 existierende DDR-Klassiker »Rat für jeden Gartentag« vom Leipziger Neumann-Verlag in den Stuttgarter Ulmer-Verlag wanderte, wäre wohl ein eigenes Thema. Der angegebene Autor Franz Böhmig lebt vermutlich nicht mehr, er war Inhaber einer Gärtnerei in Meißen und Lehrausbilder an der Gärtnerschule in Coswig. Dem Vorwort ist lediglich zu entnehmen, dass seit der Auflage 2015 eine stärkere Ausrichtung auf Natur- und Umweltschutz erfolgte. Dennoch bleibt Luft nach oben, Permakultur und Wassermanagement beispielsweise könnten größere Beachtung finden.
Unter den hunderten Gartenbüchern gibt es nur wenige, deren Inhalt konsequent nach Arbeiten im Jahresablauf geordnet ist. Dabei ist eine übersichtliche chronologische Gliederung doch außerordentlich praxisnah, ebenso sinnvoll erscheint hier dann die weitere Gliederung (Allgemeines, Gemüse, Obst, Zierpflanzen) innerhalb der Monatskapitel. Auf 68 % der Seiten stehen 1689 Ratschläge mit 531 Skizzen, 29 % der Seiten enthalten Tabellen größtenteils mit konkreten Pflanzenempfehlungen. Die zusätzlich eingestreuten »Besonderen Tipps« muten oft trivial an, können Anfänger aber vielleicht vor Fehlern bewahren.
Kein Bilderbuch mit Smartphone-Anbindung, sondern ein seriöses Werkzeug. Außer auf 13 Doppelseiten (12 Monatstitel + Tabellenteil) wurde ganz auf Fotos verzichtet, damit erhält das über eineinhalb Kilogramm schwere gebundene Buch einen angenehm nostalgischen Touch. Am besten liest man sich die Monatskapitel am jeweiligen Monatsanfang einmal komplett durch, um die für den persönlichen Hobbygarten relevanten Ratschläge herauszupicken und umzusetzen.

Sonny Thet

Den Anfang bei den hier geplanten Beettinchen-Parzellenpächter-Porträts macht der Cellist und Komponist Sonny Thet. Er kam 1969 aus Kambodscha als junger Student nach Weimar. Ab 1974 war er prägendes Mitglied der DDR-Band Bayon. Wegen seiner Musik im Film Das Leben der Anderen wurde er 2007 zur Oscar-Verleihung eingeladen. Seine beiden Söhne sind ebenfalls Musiker.

Wie hast Du vom Beettinchen erfahren und seit wann bist Du dabei?
Es war an einem Dienstag bei unserem Spaziergang durch Gartenkolonien der GESOBAU, da sind wir (meine Frau Grid und ich) zu einem Kaffee reingerufen worden und fanden es sehr nett da. Spontan haben wir angefragt, ob man sich um eine Parzelle bewerben kann. Wir sind seit Juni 2022 ganz stolz dabei …

Was hältst Du (bitte ehrlich) vom Märkischen Viertel?
Wir wohnen seit über 30 Jahren sehr gern hier, aber was uns immer sehr stört, ist der zunehmende Schmutz.

Hast Du außer dem Beettinchen weitere Lieblingsplätze in der Natur?
Den Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow.

Welche Speisen und Getränke magst Du?
Alles was gesund macht!

Möchtest Du mehr über Dich erzählen?
Von mir gibt es nicht so viel zu erzählen, ich liebe Cello spielen und die Menschen, egal wo sie herkommen, sie müssen nur die Regeln einhalten!

Was könnte das Beettinchen noch besser machen?
Macht weiter so, ein schöner Ort, wo Nachbarn zusammenkommen.

Recht auf Stadt

In unserem Büro auf der Nachbarschaftsetage hängt nun das Wimmelbild „Recht auf Stadt“, welches einen sehr originellen Blick auf urbanes Zusammenleben wirft.

Wir haben Agrarindustrie satt!

Seit 2011 findet jeweils zum Jahresbeginn in Berlin eine Großdemonstration unter dem Motto »Wir haben es satt!« statt. Der Trägerkreis besteht aktuell aus 59 Organisationen (+ Förderern + Unterstützern). Die Wachstumslogik und politische Fehlentscheidungen sind verantwortlich für das Überhitzen des Planeten und das dramatische Artensterben. Deswegen kämpfen wir weiter für die sozial-ökologische Transformation. Infos zur Demo am 21. 1. 2023 stehen auf der Homepage der Veranstalter.

Wassermanagement im Kleingarten

Auch angesichts vieler fragwürdiger Entwicklungen in der Welt wünschen wir ein möglichst friedliches und gesundes Jahr 2023. Zu den guten Vorsätzen im kleinen Rahmen kann beispielsweise ein Wassermanagement im eigenen Kleingarten gehören oder Kaufentscheidungen gegen torfhaltige Erde.
Berlin-Brandenburg wird immer trockener. Darauf sollte man sich beginnend mit der Pflanzenwahl einstellen. Unter den Berliner Kleingärten gilt die Anlage von Wolfgang Krüger diesbezüglich als vorbildlich. Weitere Informationen findet man im Internet. Es existieren auch schon spezielle Fachbücher zu diesem Thema.

Flamencojazz

Die Bezeichnung Flamencojazz sei nicht sehr geläufig, meint das Internet. Und doch gibt es Musik, bei der mir dieses Wort sofort in den Sinn kommt. Außerdem sehe ich Parallelen zum Swing der Manouche, besonders beim Gitarrenspiel.

  • Als Geburt einer solchen Stilrichtung könnte man vielleicht die beiden Platten Pedro Iturraldes Jazz Flamenco I+II 1967 und 1968 ansehen. Zusammen 66 Minuten.
  • Ein Meilenstein dieses Flamencojazz war zweifellos die Suite Jazzpaña 1992. Der 65 Minuten lange Ausflug der von Vince Mendoza geleiteten WDR Big Band mit Stargästen wie dem Sänger Ramón el Portugués in die Welt des Flamenco ist noch immer unübertroffen. Lebhaft und lebensfroh, mit einigen eingängigen Ohrwurm-Passagen, teilweise sogar tanzbar.
  • Jazzpana II und Jazzpana Live in kleineren Besetzungen unter Gerardo Nuñez an der Gitarre fallen deutlich ab. Das gelungenste Projekt in der direkten Nachfolge ist eher das von Chano Domínguez komponierte Soleando 2015. Vince Mendoza dirigiert wieder die WDR Big Band.
  • 2022 hat mich die öffentlich weniger wahrgenommene kammermusikalische Flamenco Odyssey von Christos Tzifakis begeistert. Ein rein griechisches (!) Septett mit einem eher auf weiche Harmonien abgestimmten Stereo-Klang. 63 Minuten.

Bäume

Michael Scott und weitere britische Autoren
Bäume
Eine Natur- und Kulturgeschichte
320 Seiten, Dorling Kindersley, München 2022, ISBN 978-3-8310-4541-9

Layout-Meisterwerk mit 80 Symbolbäumen

Der Buchrücken verspricht groß »Alles über Bäume«, diese Formulierung zählt zu den wenigen Fehlern. Man braucht diese Publikation nicht für wissenschaftliches Arbeiten, sondern darf sie vor allem biologisch weniger beschlagenen Kulturfreunden empfehlen. Unaufdringlich werden ökologische Fragen einbezogen, Diplomaten können es nicht besser machen. Es handelt sich hier um eine harmonische Gratwanderung zwischen Faktenfülle und Design, beinhaltet aber bei weitem nicht alles über Bäume. Themen wie Alleen oder Baumpflege beispielsweise werden nur ganz flüchtig angedeutet …

Das erste Achtel der Seiten beschäftigt sich mit Grundbegriffen von Flora und Evolution, gleichzeitig präzise und anschaulich.
Was die Auswahl von 80 Baumporträts unter den mehr als 60 000 Baumarten der Welt und das Layout anbetrifft, so liegt hier ein wunderschönes Buch vor. Optik und Haptik sind ein Genuss, zu den geschmackvollen botanischen Abbildungen gesellen sich einige Zitate und einige Gemälde wie Csontvárys »Tanz um die Zeder«. Es ist wirklich gelungen, eine nahezu perfekte Zusammenstellung der in Sagen und Märchen und sonstigen Symbolwirkungen wichtigsten Bäume der Welt zu treffen. Mitunter muss freilich eine Art für einen bestimmten Verwandtenkreis stehen, um den Rahmen nicht zu sprengen. So wird »unsere« Kiefer (Pinus sylvestris) kurz bei der Langlebigen Kiefer (Pinus longaeva) Nordamerikas erwähnt, »unsere« Feige (Ficus carica) kurz beim Bobaum (Ficus religiosa) Indiens. Dafür sind auch manche überwiegend in Strauchform wachsende Gehölze vertreten, darunter Tee und Kaffee. Am meisten schmerzt es die deutsche Seele (am Brunnen vor dem Tore), dass die Linden nur eine Seite abbekommen statt wie üblich zwei bis vier. Doch selten wirkt eine knappe Artenauswahl in einem biologischen Buch derart rund und repräsentativ wie hier!
Leider wurde das Register wenig praxisnah gestaltet, da hätte man erstens die geografische Zuordnung der Baumporträts in ein geographisches Extra-Register auslagern und zweitens bezüglich der Anfangsbuchstaben gründlicher überlegen sollen. Wer sucht schon den Birnbaum (Pyrus communis) unter K wie Kultur-Birne? Vielleicht wäre eine Wildform wie Holz- oder Felsenbirne sogar die bessere Wahl gewesen?

Damaszenerkümmel Anfang Juni

Früher kannte man dieses hübsche Blümchen hierzulande nur als Zierpflanze unter dem Namen »Jungfer im Grünen«. Erst durch engere Kontakte mit der orientalischen Küche wurden die Samen von Nigella damascena (Damaszener Schwarzkümmel) und Nigella sativa (Echter Schwarzkümmel) als Gewürz populär. Deren Öl wird auch in der Naturheilkunde verwendet. Botanisch haben die beiden Hahnenfußgewächse nichts mit »unserem« Kümmel zu tun.

Церква Преображення Господнього Новиця

Die Verklärungskirche Nowyzja bei Kalush war die größte Holzkirche der Westukraine, bekannt durch ihre geschmackvolle Innenausstattung und einzigartige Akustik. Geweiht griechisch-katholisch am 19. 8. 1938, ab 1946 orthodox und am 11. 6. 2018 (wahrscheinlich Bandstiftung) bis auf die Grundmauern zerstört. Ich lernte sie am 30. 5. 2012 durch den Küster Vasil Turčinjak genauer kennen, den Vater meiner Freundin Halja.

Offizielle Rikscha-Einweihung

Unter dem Motto KOMMT ZEIT, KOMMT RAD, KOMMT RIKSCHA startet ein originelles Mobilitätsangebot vor allem für Senioren im Märkischen Viertel, auch im Rahmen von Beettinchen-Veranstaltungen darf das Gefährt eingesetzt werden.

Pressetermin am 5. 5. 22 mit dem Reinickendorfer Bürgermeister Uwe Brockhausen