Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution

Wenn Wessis Filme über die DDR machen (D 2021, 89 min, nach einem Sachbuch von Peter Wensierski)

Das Fernsehdrama beschreibt kritische Umweltaktivitäten am Ende der DDR-Zeit in Leipzig und Umgebung. Wesentlich zur Wirkung trägt der jugendliche Elan der Hauptdarstellerin Janina Fautz bei. Gut gemacht!
Ich kenne bisher nur wenige Spielfilme, die rückblickend die DDR so sehen, wie es auch meinen Erinnerungen entspricht. Und natürlich gibt es keine, die das Bewahrenswerte der DDR thematisieren, schließlich schreiben die Sieger die Geschichte. Um so erstaunlicher, dass hier mit einer Wessi-Buchvorlage und einem Wessi-Regisseur ein Ergebnis entstand, welches kaum historische Fehler (das Abitur mit Berufsausbildung wurde zu dieser Zeit nicht mehr praktiziert, spontanes Durchschwimmen der Donau bei Bratislava als Fluchtoption führte selten zum Erfolg, einige Filmmusik-Titel waren in der beschriebenen Subkultur wenig populär) aufweist.

Leider hatten die Ossis kurz darauf selbst für ihre Kolonialisierung gestimmt: Als kritische Demonstrationen den Demonstranten nicht mehr wirklich gefährlich schienen, wurde aus dem aufrechten Slogan »Wir sind das Volk« (= alle sollen offen mitreden können) der kompromittierte Slogan »Wir sind ein Volk« (= gebt uns die D-Mark), das DDR-Volk tauschte blauäugig und konsumgierig einen eigenständigen Staat gegen zunehmend globale Finanzinteressen.
Umweltaktivisten wie im Film sind sicher überwiegend vom heutigen Zustand enttäuscht. Sie wären wohl am besten bei der ÖDP aufgehoben.