The Beatles

Die Beatles werden tausendfach nachgespielt, doch ich kenne darunter bisher kaum ihrer Musik ebenbürtige Tonkonserven:

  • Mike Westbrooks Oktett »erweiterte« beim Willisau Jazz Festival 1989 die beste (?) Platte der Beatles (Abbey Road, 44 min) unter Beibehaltung der Titelfolge durch teilweise schrille Improvisationen (Off Abbey Road, 74 min live), der Spaß steckt an.
  • Eher Stilparodien als Coversongs produzierten die Rutles ab 1975, ihre Alben erschienen 1978 (Rutles) und 1996 (Archaeology).
  • Das Filmmusical »Across The Universe« 2007 verwendete nostalgisch rückblickend ausschließlich Kompositionen der Beatles, mit großem Respekt eingespielt. Oft softer als die Originale, jedoch nie kitschig. Eigentlich mag ich weder A-capella-Anfänge noch Ritardando-Schlüsse, aber hier passt alles.

Und da wir schon beim Thema sind, hier meine Favoriten der Original-Vinyls, auch wenn Maxwell und Ob-La-DiDa verzichtbar sind: Abbey Road (1969), Magical Mistery Tour (1967), White Album (1968), A Hard Day’s Night (1964).

Meine Braut ist übersinnlich

Sympathisches Weihnachtsmärchen (USA 1958, 98 min)

Eine Hollywood-Romantikkomödie von 1958 mit Kim Novak und Jack Lemmon, da verrate ich wohl kein Geheimnis, dass es nach manchen Umwegen zum Happy End kommt. Im Verlauf ziemlich vorhersehbar, das Filmerlebnis entsteht nicht aus einer spannenden Handlung, sondern aus einer beschwingten Jonglage mit Märchensymbolen. Sicher kann man dem Film vorwerfen, seicht zu sein, aber mancher will eben nicht ständig knallharte Dokus über die Schlechtigkeit der Welt sehen.

Akzeptiert man die geschilderten »übersinnlichen« Kräfte (magisch oder verzaubernd fände ich besser formuliert) von vier der sieben Hauptpersonen, so ist der Ablauf der Liebeswirren ohne logische Fehler, allerdings halte ich den damals fünfzigjährigen James Stewart mit seinen theatralisch aufgerissenen Augen nicht für die optimale Besetzung (na ja, er sieht jedenfalls noch zeugungsfähig aus). Weiterhin spielt ein Kater mit, im Zodiac-Club treten die Trompeter Pete und Conte Candoli auf (sie pusten einen tollen, leider nur kurzen Bebop-Ohrwurm), außerdem der Sänger Philippe Clay. Im Gegensatz zu vielen anderen Hollywood-Streifen ein Beispiel dafür, dass man keine Unsummen für Kulissen ausgeben muss, um einen guten Film zu drehen (einige Innenräume, der vielleicht stimmungsvollste Jazzkeller der Filmgeschichte, ein verfallendes Landhaus, winterliche Kiezstraßen in Greenwich Village, eine Aufnahme des Flatiron Buildings und eine Aufnahme vom Central Park). Auch das Tempo der Handlung ist unspektakulär (nach heutigen Maßstäben vielleicht sogar zu bedächtig), so, als würde jemand am Kamin aus einem Buch vorlesen.

Einer der schönsten Weihnachtsfilme, welchen ich kenne. Alles passt, da braucht man keine tricktechnischen Revolutionen. Zwar spricht die gelegentliche Schmuserei des Liebespaares nicht vordergründig kleine Kinder an, aber den Aufdruck FSK 12 auf meiner DVD von 2009 kann ich bei dieser harmlosen Hexengeschichte nicht nachvollziehen. Sollte ich irgendwann einen Kater besitzen (eher unwahrscheinlich), wird er Pyewacket heißen. Übrigens, inzwischen hat selbst manche Kleinstadt an aufdringlichem Kommerzgeflimmer das New York von damals überholt.

Stufen der Juristerei

Theoretisches Modell auf Grundlage praktischer Erfahrungen. Copyright bei mir höchstderoselbst.

  1. Recht nach gesundem Menschenverstand (analytisch-logisch) haben
  2. Recht nach Gesetzeslage haben
  3. Recht nach Gesetzeslage zugesprochen bekommen
  4. Recht nach Gesetzeslage durchsetzen können

Die Lienewitzseen

Zwei Seen im Kiefernwald mit Vogelgezwitscher, Kaulquappen, Schilf, Erlen, Pfifferlingen, … der Weg neben der »großen« Badestelle im Nordosten ist für mich der schönste Fußballplatz der Welt: Man braucht dazu vier Stöckchen zur Markierung der Tore und zwei bis drei Kinder als Mitspieler.
2002 wurde das Gebiet Lienewitz-Caputher Seen- und Feuchtgebietskette (368 ha) unter Naturschutz gestellt. Drei Kilometer Fußweg entfernt befindet sich der Wietkiekenberg (125 m) mit einer 2015 eröffneten Aussichtsplattform.

Eva Maria Mudrich

Über die Hörspielautorin Eva Maria Mudrich (1927-2006) sind nur wenige Informationen zu finden. Einige ihrer Zukunftsgedanken kamen auch mir schon in ähnlicher Form.

  • Das Vermächtnis der Moorvögel (53 min, SDR, 1977): Eine Substanz mit enormer Heilwirkung wird von Tieren produziert, die gerade aussterben, und geht dadurch verloren. In meinem »Drehbuch« war das eine von Fröschen erzeugte Paste …
  • Der Geburtstag (46 min, SDR, 1981): Sollte die Menschheit ihr Ende beschließen? Könnten wenige Abtrünnige dabei eine kleine friedliche Parallelzivilisation entwickeln?

Die besten Konzeptalben

Ab Mitte der 1960er Jahre verfolgten Rockmusiker gelegentlich auf ihren LPs (Langspielplatten) leitmotivische und erzählende Zusammenhänge zwischen den Titeln. Als Vorläufer könnte man vielleicht klassische Schauspielmusiken ansehen. Nach dem Bedeutungsverlust von LP (und CD) ist dieses Konzeptkonzept wie zuvor hauptsächlich wieder nur bei Bühnenwerken präsent. Der physische Tonträger als Gesamtkunstwerk stirbt allmählich aus.

  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Ein Sommernachtstraum (1843)
  • Robert Schumann: Szenen aus Goethes Faust (1862)
  • Edvard Grieg: Peer Gynt (1876)
  • Bertold Brecht & Kurt Weill: Die Dreigroschenoper (1928)
  • Carl Orff: Carmina Burana (1937)
  • The Moody Blues: Days of Future Passed (1967, TOP 3)
  • John Mayall: Blues from Laurel Canyon (1968)
  • Jethro Tull: Thick as a Brick (1972)
  • Pink Floyd: The Dark Side of the Moon (1973, TOP 3)
  • Magma: Mekanïk Destruktïw Kommandöh (zudem in einer eigenen Kunstsprache der Band, 1973, TOP 3)
  • Between: And the Waters Opened (1973)
  • Tom Waits: The Heart of Saturday Night (1974)
  • Mike Batt: The Hunting of the Snark (1986)
  • Magma: Mekanïk Kommandöh (1973, veröffentlicht 1989, die sparsamer instrumentierte Urfassung von MDK)
  • After Crying: Megalázottak és megszomorítottak (Erniedrigte und Beleidigte, 1992)
  • Hedningarna: Trä (Holz, 1994)
  • Ghymes: Rege (Legende, 1998)
  • 31 Prog-Bands aus 8 Ländern, koordiniert von Colossus Project: Kalevala (2003, fast vier Stunden lang)
  • Lumsk: Åsmund Frægdegjevar (2003) & Troll (2005)

Einiges wurde auch prominent und unterhaltsam filmisch umgesetzt.

  • The Who and Guests (Arthur Brown, Eric Clapton, Elton John, Tina Turner, …): Tommy (Rockoper, 1975)
  • Richard O’Brien: The Rocky Horror Picture Show (Dracula-Parodie, 1975)
  • Galt MacDermot: Hair (Antikriegsgeschichte, 1979)
  • Levente Szörényi & János Bródy: István, a király (König Stephan, Rockoper, 1983)
  • The Rolling Stones and Guests: Rock and Roll Circus (hier bildet Zirkusatmosphäre die Klammer für verschiedene Musik, 1968, veröffentlicht 1996)

Eolomea

Melodramatisches Zukunftsmärchen ohne Actionszenen (DDR 1972, 82 min, Regie Herrmann Zschoche)

Die Erde untersteht einer friedlichen Gesamtregierung (mit Rolf Hoppe und Cox Habbema in der Weltraumbehörde), dennoch gibt es natürlich Herausforderungen mit ungewissem Ausgang und Probleme aus zwischenmenschlichen Gefühlen. Ja, 1972 stellten viele in der DDR sich die Globalisierung wirklich so vor. Jeder scheint eine halbwegs sinnvolle Arbeit zu haben, Statussymbole und Standesunterschiede gibt es nicht. Der Inhalt trifft einige meiner Grübeleien mit einer gewissen Verfremdung auf den Punkt, da ist mir das manchmal bemängelte Niveau der Effekte so was von egal. Im Gegenteil, trashige Details wie das Schild »Nicht öffnen, bevor der Zug hält« aus DDR-Eisenbahnwaggons im Cockpit eines kleinen Raumschiffs oder die Lochstreifengeräte erhöhen eher den Genuss.
Mit etwas Spitzfindigkeit könnte man allerdings steife Nebenrollendarsteller bemängeln und sogar Logikfehler vermuten, beispielsweise ist ein Lotsenschiff am Schluss schneller wieder auf seinem Außenposten als die deutlich vor ihm gestartete Flotte. Na wenn schon, da hat ein Taxi eben einen Brummi überholt.
Ein ziemlich einzigartiger Film! Hätten wir doch bloß jetzt solche »Konflikte« statt einer Welt voller Finanzspekulationen und Glaubenskriege! Beim Wiedersehen nach vielen Jahren habe ich geheult! Über die mit leichten Hippie-Anklängen versehene Lovestory, aber auch über vertane Chancen echter gesellschaftlicher Entwicklungen seitdem. Bin ich naiv?