Nirit Sommerfeld
Beduinenmilch
344 Seiten, ars vivendi, Cadolzburg 2025, ISBN 978-3-7472-0716-1
Humanistische Gegenwarts-Weltliteratur
Dieser spannende Debütroman spielt zwischen dem 1. August und dem 10. September 2014. Hauptperson ist die sich zunächst sehr geborgen fühlende Jüdin Talea mit deutschem und israelischem Pass rund um ihren achtzehnten Geburtstag. Tagebuchaufzeichnungen ihres kürzlich in Tel Aviv verstorbenen Großvaters bilden eine zusätzliche Ebene. Politische Gegebenheiten und geographische Orte sind sorgfältig recherchiert.
Einige Erlebnisse führen Talea von naivem Tatendrang zu zusammenhängenderen Betrachtungen. Entstanden ist eine Coming-of-Age-Story in Kombination mit einer Kurzgeschichte des jüdischen Staates. Zwischen den Zeilen steht ein allgemeiner Appell zur Völkerfreundschaft. Das Wort Beduinenmilch fällt ein einziges Mal. Sprachlich souverän. Genau die richtige Textlänge. Sehr empfehlenswert.
Schon lange vor dem 7. Oktober 2023 hatte ich gelegentlich gefragt, wie man hierzulande den jüdischen Staat kritisieren könne, ohne gleich als Antisemit verschrien zu werden, und nie eine zufriedenstellende Antwort erhalten.
Oft rolle ich bei dieser Thematik mit den Augen und wende mich ab. Von Krieg und Nationalismus auf unserer bescheuerten Welt erfährt man eh genug. Belletristik möchte ich lieber genießen. Doch dann organisierten Weggefährten im Rahmen eines gemeinsamen Wochenendes eine Lesung mit der Autorin. Altersmäßig könnte sie die Mutter ihrer Heldin sein. Etwas Familienbiographie steckt sicher in ihrem Buch. Seit 2024 betreibt sie übrigens das Café im Chemnitzer Archäologiemuseum. Muss ich mal besuchen …
