Skansen

    Die Bezeichnung Skansen (oder in slawischen Sprachen mit lateinischer Schrift Skanzen) für ein Freilichtmuseum geht auf das 1891 eröffnete Stiftelsen Skansen auf der Stockholmer Halbinsel Djurgården zurück. Derartige Areale traditioneller Architektur erreichen in der Osthälfte Europas mitunter eine dreistellige Zahl von Bauten. Die meisten Häuser stammen aus der Zeit zwischen 1850 und 1920. In viele davon darf man eintreten.
    Oft wurde ein abwechslungsreiches Gelände mit einigen bereits vorhandenen erhaltenswerten Gebäuden ausgewählt. Einige Skansen entstanden bei der Rettung von Denkmalen vor Infrastrukturprojekten (Stauseen). Durch andernorts abgetragene und sorgfältig wiedererrichtete Objekte erfolgte ein teilweise jahrzehntelang dauernder Erweiterungsprozess. Eine eindeutige Festlegung eines Geburtsjahres ist bei dieser schrittweisen Entwicklung vieler Skansen schwierig. Auch die Flächenangabe ist aufgrund des mitunter allmählichen Übergangs in die Landschaft nicht besonders aussagekräftig.
     Gebäude mit zentralen Dorffunktionen wie Kirchen und Kneipen stehen fotogen drapiert in fast in allen Skansen. Sie werden teilweise noch von Kirchgemeinden beziehungsweise zur Touristenbeköstigung betrieben. Mitunter sind sogar alte Handwerke oder alte Haustierrassen in das Museumskonzept integriert.
    Nicht jeder mit Wegweisern beworbene Skansen ist allerdings wirklich ein Höhepunkt. So bezeichnen findige Honigverkäufer oder Keramiker in alten Bauernhäusern ihr Anwesen gerne als Imker- beziehungsweise Töpferskansen. Auch können sich private Museen ohne fachliche Beratung in Richtung Disney-Kitsch entwickeln. Eher dem Erholungswert hier genannter Skansen vergleichbar sind mit botanischem Anspruch eingerichtete Guts- und Schlossparks (wie Tesárske Mlyňany) sowie alte Eisenbahnanlagen (wie Vișeu de Sus, Chemnitz-Hilbersdorf, Wolsztyn oder Chabówka).
    Größere Skansen wurden oft bezüglich der ursprünglichen Standorte ihrer Gebäude funktionell (beispielsweise Kleinstadt-Marktplatz, Mühlental und Hangwiese) oder regional (Fischerdorf, Bergdorf der Volksgruppe G, Bergdorf der Volksgruppe H) gegliedert.
    Folgend einige umfangreiche Skansen mit genügend Erlebnispotential für einen ganzen Urlaubstag (von Sibirien über Polen nach Norddeutschland und weiter über die Karpaten zum Balkan):

Reifendreher in Seiffen, ein weltweit nur noch sehr selten ausgeübtes Handwerk

  • Frelichtmuseum Transbaikaliens (Этнографический музей народов Забайкалья) bei Ulan Ude (Улаан-Үдэ), Burjatische Republik in Südostrussland, 1973 eröffnet, 37 ha.
  • Kostromskaja Sloboda (Костромской архитектурно-этнографический и ландшафтный музей–заповедник »Костромская слобода«) an der Mündung der Kostroma (Кострома) in die Wolga (Волга), Zentralrussland, 1955 gegründet, 30 ha.
  • Museumsreservat Witoslawlizy  (Витославлицы) am Ilmensee (Мячино) bei Nowgorod (Великий Новгород), 1964 gegründet, seit 1992 auf der UNESCO-Welterbeliste, 34 ha.
  • Kiži (Кижи, Kischi) auf einer Insel im Onega-See (Онежское озеро), Karelische Republik in Nordwestrussland, 1966 gegründet, seit 1990 auf der UNESCO-Welterbeliste.
  • Eesti Vabaõhumuuseum, DER Skansen Estlands, am Ostseeufer in Tallinn, 1957 gegründet, 1964 eröffnet, 84 ha.
  • Latvijas Etnogrāfiskais Brīvdabas Muzejs, DER Skansen Lettlands, am Jugla-See in Riga, 1924 gegründet, 1932 eröffnet, 87 ha.
  • Lietuvos liaudies buities muziejus, DER Skansen Litauens, am Stausee »Kaunasser Meer« in Rumšiškés, 1966 gegründet, 1974 eröffnet, 195 ha.
  • Muzeum Budownictwa Ludowego am San, Sanok im Karpatenvorland, Südostpolen, 1958 gegründet, 1966 eröffnet, 38 ha.
  • Sądecki Park Etnograficzny in Nowy Sącz, Kleinpolen, ländliche Architektur ab 1975, galizischer Marktplatz ab 2011.
  • Muzeum Wsi in Białystok, Ostpolen, seit 1982.
  • Muzeum Budownictwa Ludowego Olsztynek in Ermland-Masuren, Nordpolen, Vorläufer war das Königsberger Dorfmuseum von 1909, das erste im damaligen Deutschland, seit 1938 am jetzigen Standort, 77 ha.
  • Kaszubski Park Etnograficzny am Gołuń-See, Wdzydze Kiszewskie in Kaschubien, Nordpolen, Vorläufer war ein Privatmuseum von 1908, mehrmals erweitert, 22 ha.
  • Muzeum Wsi in Sierpc, Nordmittelpolen, gegründet 1971, ab 1987 unter jetzigem Namen.
  • Muzeum Archeologiczne auf einer Halbinsel in Biskupin, Großpolen, ab 1933 wissenschaftliche Ausgrabungen, 1956 eröffnet, kein Dorf des vorletzten Jahrhunderts, sondern die Rekonstruktion einer Siedlungsanlage der Lausitzer Kultur, Jahresringanalysen belegen den größten Bauholzeinschlag 738 vor (!) unserer Zeitrechnung, Schmalspurbahn-Verbindung nach Żnin.
  • Wielkopolski Park Etnograficzny, Dziekanowice am Lednica-See, Großpolen, 1975 gegründet, 1982 eröffnet, 21 ha.
  • Muzeum Etnograficzne, Ochla bei Zielona Góra, Westpolen, 1972 gegründet, 1977 eröffnet.
  • Stowarzyszenie Centrum Słowian i Wikingów (Slawen- und Wikingersiedlung) auf der Insel Ostrow Recławski in Wolin, Nordwestpolen, Trägerverein Jomsburg-Wineta 2003 registriert, 2008 eröffnet, alljährlich am ersten Augustwochenende großes Festival der Slawen und Wikinger.
  • Ebenfalls ins Mittelalter zurück geht es bei der Wikingeranlage Haithabu, 1985 eröffnet, seit 2018 auf der UNESCO-Welterbeliste, und der Turmhügelrekonstruktion Lütjenburg, 2003 eröffnet.
  • Das Gelände Molfsee bei Kiel ist das größte Freilichtmuseum Norddeutschlands, 40 ha, 1965 eröffnet.
  • Einige hübsche Freilichtmuseen in Nordostdeutschland wie Klockenhagen, Groß Raden und Ukranenland, auch Berlin-Düppel könnte man in diese Reihe stellen.
  • Bisher wenig bekannt ist die Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg nordöstlich von Chemnitz, 2002 eröffnet.
  • Das Dorfleben aus der Grenzregion Sachsen-Böhmen kann man in Seiffen, Eubabrunn und Landwüst nachempfinden.
  • Ein einzigartig länderübergreifendes Projekt stellt der Geschichtspark (Historický park) Bärnau-Tachov dar, dessen Kern von 11 ha zwar nahe der Landesgrenze ganz in Bayern liegt, dessen Umfeld-Aktivitäten aber bis nach Böhmen hinein reichen, die erste Ausbauphase war 2011 fertig.
  • Skanzen lidové architektury, Přerov nad Labem, Böhmen, 1895 gegründet, 1900 eröffnet, 1967 ins Elbtalmuseum eingegliedert, ältester Skansen Mitteleuropas.
  • Valašské muzeum v přírodě (Walachisch-Mährisches Freilichtmuseum), Rožnov pod Radhoštěm, Trägerverein 1911 registriert, 1925 eröffnet, bekanntester Skansen Tschechiens, 35 ha.
  • Múzeum kysuckej dediny a lesná železnica, Vychylovka in der Region Kischütz, Slowakei, 1981 eröffnet, mit der einzigen funktionsfähigen Spitzkehren-Waldbahn Europas.
  • Múzeum slovenskej dediny (Museum des slowakischen Dorfes), hinter dem Hügel Jahodnícke háje in Martin, 1930 konzipiert, 1972 eröffnet, umfangreichster Skansen der Slowakei mit 143 Gebäuden, 16 ha.
  • Das Bergdorf Vlkolínec, seit 1993 auf der UNESCO-Welterbeliste, zählt offiziell nicht als Museum.
  • Archeoskanzen Havránok, mindestens seit der Latènezeit besiedelt, mit schönem Blick über einen Stausee hinweg auf die Tatra-Berge.
  • Múzeum oravskej dediny, Zuberec-Brestová in der Region Arwa, Slowakei, 1975 eröffnet, funktionsfähige Barockorgel.
  • Múzeum liptovskej dediny, Pribylina in der Region Liptau, Slowakei, 1991 eröffnet, Zucht von Huzulenpferden.
  • Ľubovňansky skanzen, Stará Ľubovňa in der Region Zips, Slowakei, 1985 eröffnet, kombinierte Eintrittskarte mit der Burg möglich.
  • Kleinere Skansen der Ostslowakei in Bardejovské Kúpele, Svidník und Humenné.
  • Szabadtéri Néprajzi Múzeum Szentendre, größtes Bauernhofmuseum Ungarns, 1967 gegründet, 60 ha, gut mit der Budapester Vorortbahn HÉV erreichbar.
  • Schewtschenko-Hain (Музей народної архітектури і побуту »Шевченківський гай«) in Lviv (Львів, Lemberg), Westukraine, erste Gebäudeversetzung 1930 hierher, 1971 eröffnet, 84 ha.
  • Museum der Volksarchitektur und des Lebens in den Karpaten (Музей народної архітектури та побуту Прикарпаття) bei Halytsch (Галич, daher der Name Galizien), Westukraine, 1979 eröffnet, 5 ha.
  • Bei großzügiger Interpretation könnte man auch den Fröhlichen Friedhof (»Cimitirul Vesel«) in Săpânţa zu den Skansen zählen, Maramuresch.
  • Ethnographischer Park »Romulus Vuia« (Parcul Etnografic Național) in Cluj-Napoca, Siebenbürgen, 1929 konzipiert, Wiederaufbau nach Kriegsschäden ab 1956, 16 ha.
  • Das Museum der traditionellen Volkskultur (Muzeul Civilizației Populare Tradiționale) in Sibiu, Siebenbürgen, ist mit 96 ha das größte Museum Südosteuropas, 1963 gegründet.
  • Dorfmuseum »Dimitrie Gusti« (Muzeul Satului) Bukarest, 1936 gegründet, 10 ha.
  • Etar (Архитектурно-етнографския комплекс »Етър«) bei Gabrowo (Габрово), Bulgarien, 1963 gegründet, 1964 eröffnet, 7 ha.
  • Staro Selo in Kumrovec, Nordkroatien, das Projekt begann 1952 mit einem Museum für den Politiker Josip Broz Tito in dessen Geburtshaus, 1979-85 erweitert.
  • Alte Siedlung (Старо село) bei Sirogojno (Сирогојно) im Gebirgszug Zlatibor (Златибор), Westserbien, 1979 gegründet, 1992 eröffnet.
  • Unweit davon liegt Kustendorf (Кустендорф) an der Schmalspurbahn Šarganska osmica (Шарганска осмица) im Grenzgebiet Serbien-Bosnien, ursprünglich als Kulisse für Emir Kusturicas 2004 veröffentlichten Film »Das Leben ist ein Wunder« aufgebaut.